Langzeitexperiment Trockenshampoo

Zwei Monate hat mein Experiment gedauert und nun kann ich euch endlich berichten. Ein etwas persönlicher, aber mir doch sehr wichtiger Beitrag.

Angefangen habe ich es aus drei Gründen
Umweltbewusteres Leben
(weniger Warmwasser- und Stromverbrauch, Müllvermeidung, sowie kein (Mikro-)Platik mehr), weniger Schmerzen (denn Shampoo einzureiben hat – warum auch immer – schrecklich an meiner Kopfhaut geschmerzt, ich wollte einfach nicht mehr) und gesündere Haare/Kopfhaut (die nicht von Shampoos abhängig sind oder eine Überproduktion an Talg haben).

Mein Experiment
Seit Anfang Juli habe ich nun meine Haare nicht mehr mit normalem Shampoo gewaschen. An dieser Stelle mag ich anmerken: ich habe das Experiment fotografisch festgehalten, um es besonders anschaulich darstellen zu können, wer also fettige Haare nicht ausstehen kann, sollte den Beitrag nun schnell schließen. 😀


Morgendliche Routine seit Juli / Der Ablauf
1. morgens 100 Bürstenstriche (je 25 Kopfüber, IMG_0499von rechts, von links, von oben) mit einer Wildschweinborstenbürste (ich nutze allerdings zusätzlich meine alte Bürste für die ersten Striche, da ich sonst irgendwann total verfilzte Haare hätte, die Wildschweinborsten kommen nicht durch)
2. waren die Haare zu stränig: selbstgemachtes Trockenshampoo verwenden, hierfür über der Wanne das Pulver wie beim Bürsten, erst Kopfüber, IMG_0500dann von rechts, links und schließlich von oben einmassieren (auf dem ersten Bild werdet ihr sehen warum: die Seiten hatte ich dort nicht bedacht, so blieben sie etwas stränig); anschließend das Pulver auskämmen und mit einem Handtuch evtl. Restpulver vom Gesicht reiben; zum Schluss: Bürste(n) ausspülen
3. Kopfhaut fühlt sich seltsam an: Haare über der Wanne mit lauwarmem Wasser gründlich ausspülen, mit Handtuch trockendrücken und an der Luft trocknen lassen

Erstes Resultat
Mit diesem simplen Ablauf habe ich es nicht nur geschafft, meine Duschzeiten (und somit den Warmwasserverbrauch) stark zu minimieren und den Föhn überflüssig werden zu lassen und damit massig Zeit zu sparen (allein das Föhnen dauerte ca. 30 Minuten), sondern auch erreicht, dass meine Haare einen Entzug machten und die natürliche Talgproduktion nun endlich nicht mehr von Seife zerstört wird. Demzufolge brauche ich nach diesen zwei Monaten immer seltener Wasserspülungen und kann fast zwei Wochen aus dem Haus gehen, ohne Trockenshampoo genutzt zu haben.

Dokumentation in Bildern
Aber ich mag gar nicht zu viel schreiben. Nun folgen die Bilder.
01Tag 1: Haare nach drei Tagen ohne Haarwäsche, Haare mit Trockenshampoo & ausgekämmt

02Tag 2: Haare nach dem Bürsten, schön fluffig

05_WTag 5: Erstes Mal mit Wasser ausgespült (danach kein Trockenshampoo), noch recht stränig

06Tag 6: Vor dem Trockenshampoo, danach gekämmt und im Zopf

13_2Tag 13: Versuch offene Haare, Kopfhaut am Scheitel aber recht weiß, Lösungssuche*

14Tag 14: Beschlossen weiterhin Zopf zu tragen (mache ich eigentlich sowieso immer)

14_nachdemAufstehenUnd so sehe ich übrigens aus, wenn ich gerade aufgestanden bin. Also Volumen gibt das Trockenshampoo auf jeden Fall, das habe ich vom ersten Tag an gemerkt. Man muss nur Routine finden in der Menge des Shampoos, dem Einreiben und Auskämmen. Außerdem ist das Mischverhältnis wichtig. Seit ich mehr Zimt untermische, sind die Haare weniger aufgehellt. Bei dunkleren Haaren sollte man übrigens Kakao statt Zimt nehmen. Bei sehr hellen Haaren kann das weglassen werden und man braucht nur Stärke und Natron.

28_WTag 28: Alles hat sich eingespielt, hier nach der letzten Spülung: Ich konnte das Haus verlassen, ohne mich unwohl zu fühlen. Unglaublich!

48Tag 48: So sehe ich momentan aus, über eine Woche nichts außer Bürsten – geht doch wunderbar, was meint ihr?

* Lösung: Nach den zwei Monaten brauche ich das Trockshampoo nun gar nicht mehr so stark einmassieren. Ich versuche also, nicht zu viel auf die Kopfhaut zu bekommen (die Haaransätze sind schon nicht mehr stränig) und so kann ich auch wieder einen Scheitel tragen, ohne dass man eine weiße Kopfhaut sieht. Offene Haare trage ich zwar weiterhin nicht, aber eher aus Gewohnheit.


Hier noch ein paar Pro und Contras

Pro: Wasser- und Stromersparnis und damit auch Geldersparnis; Zeitersparnis (lästiges Einseifen und Föhnen fällt weg); Müllersparnis (keine Shampooflaschen mehr, nur noch Papierabfall); allgemein: keine ständige Haarwäsche, ergo gesündere Kopfhaut usw.; griffigere Haare (Frisuren halten plötzlich, die bei meinen langen, schweren Haaren früher einfach nach einer Weile rausgerutsch wären); Haare duften wunderbar nach Zimt (nicht nach Talg, wie alle immer meinen)

Contra: Rauchgeruch in den Haaren geht schwerer raus (Lösung: Duftspray aus Wasser und Lavendelöl in ein altes Parfumfläschchen und auf die Haare sprühen); Regen spült Särkereste raus (Lösung: immer Regenjacke oder Schirm dabei und auch wenn es albern wirkt, auch bei leichtem Schauer benutzen, solange man das Trockenshampoo benötigt (denn Langzeitziel ist es ja, dass es vielleicht gar nicht mehr vonnöten ist)); (zumindest in der ersten Zeit) keine offenen Haare tragen können; bei schlechtem Auskämmen: Stärkereste an bspw. Kopflehnen im Zug (peinlich!) also nicht anlehnen, wenn nicht richtig ausgekämmt, oder aber eben immer sehr gut auskämmen (mit dem Handtuch nachreiben hilft auch); hellere Haare bei ‚falscher‘ Mischung (Lösung: richtiges Mischverhältnis finden)

Damit ist, wie ich glaube, das ganze noch einmal gut zusammengefasst und beim evtl. Nachmachen können gleich ein paar Dinge beachtet und / oder vermieden werden. 😉

Was ich außerdem anmerken will
Auf anderen Blog habe ich schon gelesen, dass je länger und dicker die Haare sind, desto länger die Umstellung dauert. Im ‚Normalfall‘ etwa drei Monate und bei längeren Haaren auch mal vier bis fünf Monate. Also habe ich die Vermutung, dass es mit der Zeit weiterhin immer besser wird.

Schlusswort
Keine Sekunde habe ich meine ’normale‘ Haarwäsche vermisst. Umweltbewussteres Leben, weniger Schmerzen und gesündere Haare / Kopfhaut sind erfüllt, wundervoll.
IMG_0752

6 Gedanken zu “Langzeitexperiment Trockenshampoo

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  2. Hi Namika,
    wirklich sehr inspirierend, was du mit dem Shampoo-Entzug bewirken konntest. Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie sehr unsere Haare von dem Zeug, was eigentlich der Pflege dienen soll, abhängig sind. Ich musste früher auch jeden Tag meine Haare waschen. Heute benutze ich ein festes Shampoo von Lush und wasche sie nur noch alle 3 – 4 Tage. Was ich so gehört habe, wird es sicherlich noch besser werden mit deinen Haaren. Die Kopfhaut muss sich, wie du schreibst, erst dran gewöhnen und das hängt je nach Person von sehr vielen unterschiedlichen Faktoren ab.
    Grüße,
    Sarah

    Gefällt 1 Person

  3. Liebe Sarah,
    nun ist ja auch wieder etwas Zeit vergangen seit ich diesen Artikel geschrieben habe. Mittlerweile benutze ich immer noch kein „normales“ Shampoo. Ich spüle die Haare warm aus und kämme gut. Mehr braucht es eigentlich nicht. Und wenn ich mich doch mal unwohl fühle, greife ich auch noch zum Trockenshampoo. Aber das Ziel war es, am Ende bei NoPoo zu enden. Man braucht aber eben auch viel Zeit dafür und mit einer Haarseife von Lush ist man sicher noch 100x besser dran als mit herkömmlichem Shampoo und hat noch etwas weniger Arbeit. 🙂 Wer weiß, ob ich es für immer so durchhalten kann oder mag – aber auf jeden Fall werde ich auch nur noch milde Seife verwenden, wenn ich mal wieder was neues probieren mag. Aber es klingt auch gesünder, wenn du sagst, du brauchst nur noch alle 3-4 Tage waschen. Wie lange hat es dahin gebraucht?
    Liebe Grüße,
    Namika

    Liken

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