Müllvermeidung / Zero Waste

Auf den Begriff Zero Waste stieß ich das erste Mal, als ich von Lauren Singer las, deren gesamter Müll der letzten Jahre in ein Marmeladenglas passte. Das faszinierte mich und stimmte mich gleichzeitig nachdenklich: Wenn ich umweltbewusst leben will, gehört nicht nur Ernährung, Konsum, Herkunft von Dingen, Verzicht auf ein Auto und dergleichen dazu, sondern auch das Thema Müll spielt eine größere Bedeutung, als mir vorher bewusst war.
Der Ehrgeiz hatte mich gepackt und ich wollte noch mehr tun und auch in diesem Punkt bewusster leben.

Auf einiges habe ich bereits vor dem Beitrag über Lauren Singer geachtet, der Vollständigkeit halber (und weil ich so etwas bei anderen sehr gern als Anregung nutze), hier eine Liste an Dingen, die ich bis jetzt auf dem Weg zu einem müllfreieren Leben umgesetzt habe (in der etwaigen Reihenfolge ihres Einsatzes):

Bad (weil dies bis jetzt am erfolgreichsten ist)
(durchgestrichen = Ersatz weiter unten)

– Waschlappen statt Wattepads oder Taschentücher
– Metallzahnstocher statt welche aus Plastik oder Zahnseide
– große Nachfüllpackung statt immer neue Seifenspender
– keine Seifen/Shampoos/Duschgels/Creme mit Mikroplastik (hier überprüfen)
– kein feuchtes Toilettenpapier mehr
– Recycling-Klopapier und sparsam benutzen (auch wenn es banal klingt: ich merke deutlich, wie viel länger die Packung somit reicht)
– Öko-Dent Zahnbürste mit Wechselköpfen*
– kombostierbare Kinderzahnbürste mit Wechselköpfen
– Waschmittel aus Papppackung statt Plastik
– Seifenstück statt große Nachfüllpackung
– Wattestäbchen abschaffen (schädlich für die Ohren und waschen funktioniert auch) für wen das nichts ist: Ohrschlinge
– Schminksachen verschenkt & somit keine Restabfälle dort (da ich mich sowieso nie schminke)
– Menstruationstasse statt Tampons & Binden
Trockenshampoo und Wasserspülung statt Shampoo aus der Plastikflasche (Rezeptlink + Erfahrung)
→ damit einhergehend: Ressourcen sparen: Wasser, Strom, Seife… und Zeit!
→ damit einhergehend: neue Haarbürste fürs richtige Kämmen mit Holzgriff & Wildschweinborsten statt Plastik (allerdings wegen der dicken Haaren mit unterstützenden Plastikborsten dazwischen)IMG_0277-horz– selbst gemachte Zahnpasta (Rezeptlink + Tipp)IMG_0554b– selbstgemachte Flüssigseife (durch das Seifenstück wird das Waschbecken so stumpf)
– selbstgemachtes Duschgel
– selbstgemachtes Waschmittel (Kernseife noch in der Tüte… wenn verbraucht nicht wieder)
IMG_1200– Seifenstück statt selbstgemachtes Duschgel

(Eine Rezeptsammlung für die selbst hergestellten Wasch- und Putzmittel  hier.)
* Wenn der Griff abgenutzt ist, werde ich auf eine kompostierbare Bürste ohne Plastik zurückgreifen. Aber das wird wohl noch ein wenig dauern.

Küche (und Einkauf)

– Wasser aus der Leitung statt Flaschen
– keine Butter / Margarine (wir essen Brot tatsächlich ohne, zum Backen und Kochen verwenden wir Öl (natürlich aus der (extragroßen) Glasflasche) und anderweitig Kokosöl aus dem Glas, das man wohl auch auf Brot essen kann)
– kein Junkfood / Fastfood an Bahnhöfen o.ä. (immer etwas dabei haben)
– Teebeutel nur noch ohne Tackernadel und beschichtete Tütchen oder gleich lose
– Glas statt Konservendosen
– keine Fertigprodukte mehr (Ausnahmen: oft noch Brot (im Jutebeutel))
– immer Nein zu Tüten sagen (immer mind. einen Jutebeutel dabeihaben)
– nur noch Glas für Getränke
– möglichst nur noch Glas für Milchprodukte (Joghurt und Sahne immer, Milch noch zu selten (gibt nichts regionales und ich weiß nicht, ob regionale Tetra schlimmer ist als Glas aus Süddeutschland))
– möglichst Obst ohne Plastik kaufen (bei Bio oft schwer, aber nicht unmöglich)
– Glas-Trinkflasche für unterwegs
– Verzicht auf Küchenpapier (stattdessen zwei alte Geschirrtücher dafür abdegradiert)
– keine Papiertaschentücher mehr (stattdessen Opas Stofftaschentücher)
– keine Plastikbecher und -löffel mehr in der Küche, Küchenutensilien aus Plastik bei Verschleiß durch welche aus Holz / Glas / Edelstahl usw. ersetzenIMG_0067-horz – möglichst Plastik beim Einkauf vermeiden (vor allem bei Dingen, die man eigentlich nicht braucht – wie z.B. Süßigkeiten und Knabberkram)
– Gemüse und Obst auf dem Mark einkaufen (bio, regional, saisonal und ohne Plastik!)
– keine neuen Reinigunsmittel – alte verbrauchen und dann auf natürliche Reinigungsmittel (z.B. Essig umsteigen; Rezeptlinks)
– Brot in Jutebeutel legen, statt in Plastikbeutel (wider erwartend keine schlechte Erfahrung an der Kasse damit gemacht) oder selber backen
– weniger Käse kaufen, der außer an der Theke immer in Plastik verpackt ist (stattdessen mehr vegane Aufstriche aus dem Glas)
– mein Freund will immer mehr auf Kaffee verzichten (z.B. wegen Transportwegen und virtuellen Wassers), statt Plastikfilteraufsatz und Papierfilter haben wir nun eine plastikfreie French-Press
– Gemüse und Kräuter selber anbauen (diesen Sommer mit Tomaten, Radieschen, Mairübchen, Lauch und verschiedenen Kräutern gestartet – dazu Äpfel, Quitten und viele verschiedene Beeren aus dem elterlichen Garten)
IMG_0571IMG_0922IMG_1451– Obst von der Streuobstwiese (ein paar Straßen weiter haben wir neulich eine Streuobstwiese entdeckt mit Äpfeln, Birnen, Pflaumen, Zwetschgen, Mirabellen…)
– Metallbrotdose für das Kindergartenfrühstück
– Omas altes Porzellan Tee-Ei und Teesieb für losen Tee statt Filterpapiertütchen

Sonstiges

– möglichst viel upcyclen (Kreativität – in alten Gegenständen etwas Neues sehen usw.)
– Geschenkpapier nie neu kaufen (altes Weiterverwenden; Geschenk-Beutel untereinander hin und her verschenken)
– unterwegs immer Nein zu Werbung und Flyern sagen
– keine Werbung und keine Zeitungen am Briefkasten (Zeitung online lesen)
– weiterverkaufen / verschenken, statt wegwerfen (Stichwort Minimalismus)
– reparieren statt wegwerfen (wenn nicht allein, z.B. im Repaircafé)
– nur noch Second Hand Kleidung / Möbel usw. (oder welche mit Öko-Label)
– keine Windeln mehr für meinen Sohn (ich bin so stolz auf ihn! – noch vor dem dritten Geburtstag, ich hatte es nicht für möglich gehalten); weil wir schon selten welche brauchten, waren wir nicht mehr auf Stoffwindeln umgestiegen – zum Glück, es ging nun so schnell, da hätte sich das nicht mehr gelohnt
– Druckbleistift mit dickem Nachfüll-Grafit & Füller mit auftankbarer Patrone (von den Großeltern geerbt <3)
img_1904b
img_1909b
– Geschenke nicht mehr länger in Papier verpacken, sondern in Tüchern – immer wiederverwendbar und sehr hübsch (Anleitungen hier)

Nächste Ziele

☐ wenn Frischhaltefolie aufgebraucht: Frischhaltetücher selbst herstellen (auch hier)
☐ wenn Zahnbürste abgenutzt: kompostierbare Bambuszahnbürste
☑ einen unverpackt-Laden besuchen (am 5.10. eröffnet SelFair in Bremen!!) um Nudeln, Reis, Linsen usw. lose zu bekommen, ein Traum!
Pumpipumpe im Dorf bekannt machen (Ersatzlösung nebenan.de entdeckt)
☑ Kompostlösung überlegen (!)
☑ gute Plastikmüllbeutellösung finden, die nicht die Mülltonne mit Fliegen und deren Eiern füllt (hat sich erledigt, da kaum noch Restmüll anfällt)
☐ wenn Käse, tatsächlich nur noch an der Käsetheke kaufen – keine Ausflüchte mehr
☐ wenn Milch, nicht mehr im Tetrapack (wenn es nur Flaschen gäbe, die aus er Region kommen!)
☐ vielleicht gar kein Klopapier mehr? (einen Artikel darüber gibt es hier)
☐ evtl. die Angst vor dem Rasierhobel überwinden


Unterm Strich

Momentan haben wir den größten Müll durch Plastikverpackungen für Nudeln, Linsen, Reis usw. Doch ich hoffe, durch die Eröffnung des neuen unverpackten Ladens in der Stadt, wird das auch weniger. Ich kann es immer noch nicht fassen, dass tatsächlich einer hier eröffnet wird.
Unmöglich ist aber Müllvermeidung bei Medikamenten, die wirklich nötig sind, denke ich. Davon benötige ich selbst leider gleich zwei verschiedene.


Am Ende noch ein Video von Rob Greenfield, der all seinen Müll für einen Monat mit sich herumgetragen hat. Als eine Art Eye-Opener.

Und außerdem eine plastikfreie Einkaufsliste von einbisschengrüner. Teilweise für Oldenburg aber auch mit vielen Onlineangeboten und vielleicht Ideen, wo man sonst so fragen könnte (z.B. in einer Kaffeerösterei, wenn es keinen unverpackten Kaffee im Laden gibt).

Und zu guter Letzt: die Vermeidungstipps meines Abfall-Services. Da ich es schön finde, dass sie selbst auch Tipps geben.

Advertisements

14 Gedanken zu “Müllvermeidung / Zero Waste

  1. Wow, nicht schlecht. Meinen Respekt.
    Wo bekommst du denn Sahne im Glas her? Da habe ich nämlich hier noch keine Lösung gefunden. Auch für Saure Sahne, die ich viel für Ajoli machen nutze, wüsste ich so nicht zu bekommen. Selbst gemacht wird die ja mit einem kleinen Stück saurem Brot über Nacht, aber dazu fehlt auch die Sahne. 😀

    Gefällt mir

    • Danke für deinen Kommentar. 🙂
      Die Sahne im Glas gibt es bei unserem Bioladen (Aleco) von Schrozberger in Flaschen. (http://www.molkerei-schrozberg.de/sortiment/quark-sahne/schlagsahne.html). Wenn es das im Sortiment bei seinem eigenen Bioladen nicht gibt, kann man sie auch darauf hinweisen, dann nehmen manche das mit ins Sortiment auf. Saure Sahne gibt es von Thüringer Land (nicht Bio) im Glas. Benutzen wir aber auch sogut wie nie, habe ich gerade nur mal gesucht, weil es mich interessiert hat. Aber ich könnte mir auch vorstellen, dass es da eine Bio-Variante gibt.
      Liebe Grüße!

      Gefällt mir

      • Ach, wie schade! Ja stimmt, im normalen Supermarkt ist da oft nicht so viel im Glas zu bekommen wie in Bioläden. Dann hoffe ich, er lässt sich ab und an mal schicken. 😀 Einen schönen Abend!

        Gefällt mir

    • Ja, bei der Sahne muss man wohl leider Glück haben – aber wenn es einen Bioladen in der Nähe gibt, plötzlich kein Ding der Unmöglichkeit mehr. So war es jedenfalls bei mir. 🙂 Ich hoffe, dass es immer etwas mehr in die Richtung Mehrweg geht. In Frankreich ist nun Einwegplastikgeschirr verboten, solche Nachrichten geben ja immer Grund zur Freude und Hoffnung. 🙂

      Gefällt mir

  2. Hallo Namika,
    ich finde du bist was Müllvermeidung angeht schon sehr gut dabei :). Bei uns ist es im Moment leider auch noch so, dass wir den meisten Müll durch Nudeln und dergleichen haben (und zugegebener Maßen durch Knabberkram oder Schokolade). Aber auch bei uns in Darmstadt macht bald ein Unverpackt-Laden auf. Ich freue mich wirklich darauf, denn dann haben wir wirklich fast gar keinen Müll mehr. Dann wird sich auch endlich klar herauskristallisieren, was noch kritische Stellen sind, an denen man Müll vermeiden kann (durch selber machen beispielsweise). Sahne im Glas in demeter-Qualität ebenso wie Milch gibt es bei uns übrigens bei teegut :D. Mach weiter so!
    Grüße aus Darmstadt,
    Sarah

    Gefällt 1 Person

    • Liebe Sarah,
      danke für deinen lieben Kommentar! Dir wünsche ich auch ganz viel Erfolg auf dem weiteren Weg, ich bin gespannt, was sich durch die Unverpackt-Läden bei uns beiden ändern wird. (Noch habe ich es nämlich immer noch nicht geschafft! Asche auf mein Haupt.) Ein teegut haben wir hier nicht, aber das kann für den ein oder anderen sicher auch von Interesse sein hier. Danke dir!
      Eine schöne Herbstzeit und liebe Grüße,
      Namika

      Gefällt mir

  3. Pingback: [Roomtour] Badezimmer | Hinterhand

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s