Geschützt: Brief an den Vater

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Zehrende Wohnungssuche

Im Juli (!) merkte ich an, dass wir umziehen wollen. Noch voller Euphorie.
Die ist nach einem halben Jahr nun langsam der Ernüchterung gewichen.

In gefühlt neun von zehn Anzeigen findet sich folgender Text:

Unbenannt

Selten fühlt man sich minder als Mensch als bei der Wohnungssuche…
(Und das ist man in den Augen dieser Menschen auch nicht. Man wird zum Ding degradiert. Arbeitslos = unzuverlässig. Der Mensch ist lediglich Projektionsfläche für die Vorurteile dieser Verdinglichung.)

Bist du jung, hast keinen Job (egal aus welchen Gründen) und bist vom Amt abhängig, bist du unten durch. Wenn dazu noch ein Kind kommt, ist die Chance gleich Null etwas besseres als eine Wohnung in einem Hochhaus bei Venovo in anonymer Nachbarschaft mit Schimmel an den Wänden und undichten Fenstern und was-weiß-ich zu bekommen. Ist jedenfalls mein Gefühl.

Ich bin enttäuscht und wütend, dass so ein Text wie oben überhaupt in einer Anzeige stehen darf. Immerhin habe ich noch selten „keine Kinder erwünscht“ gesehen. Aber gesagt bekommt man das, wenn man bei der Besichtigung mit einem auftaucht. Oder wenn man zu dritt eine Wohnung zwischen 45 und 55 qm anschaut. „Für drei Personen ist die Wohnung viel zu klein.“ Danke dafür, sagt doch gleich, was euer eigentliches Problem ist! Als könnten wir das mit der Größe nicht am allerbesten selbst entscheiden. Oh, wie sind solche Tage, Menschen und Termine hässlich!!!
Und nach jeder Enttäuschung bricht erneut alles über mir zusammen.

Ich will das alles gar nicht mehr, ich will nicht vom Amt abhängig sein, ich will keine Wohnung, will viel lieber ein Haus auf Rädern oder eine Jurte oder sonst etwas in die Richtung, etwas wo ich niemandem Rechenschaft schuldig bin. Ich will, dass nicht alles am Geld hängt, weil es nicht viel gibt, was mir so zuwider ist. Ich will gesund werden, aber solange ich in diesen erstickenden Mühlen hänge ist das nicht möglich. Ich fühle mich so gelähmt und ohnmächtig und schwach und doch suche ich weiter nach Wohnungen um immer und immer weiter hineinzurutschen in Ernüchterung und Wut und Frustration und Entsetztheit über diese Gesellschaft.