Buchreparatur [zerpflücktes Bilderbuch]

Und es ist wieder passiert: Ein altes, geliebtes Bilderbuch wurde vollkommen zerfetzt, wenn man ganz großes Glück hat, kam es sogar noch aus der Bücherei.
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Wie beim auseinanderfallenden Buchblock muss man auch hier die Seiten mit Buchbinderleim neu zusammenkleben. Bei dicken Seiten geht es erstaunlicher Weise genauso wie auch bei dünnen. Aber zuallererst gilt es zu retten, was noch zu retten ist. Das bedeutet: abgefetzte dünne Papierschichten wieder auf die dickere Pappe kleben.

Am Ende sieht es zwar nie mehr so schön aus, wie früher, aber besser als mit Tesafilm allemal! Wichtig ist es, darauf zu achten vorsichtig glattzustreichen, sonst reißt das Papier sehr schnell und man bekommt unschöne Löcher.

Wenn alle Seiten wieder geflickt sind, nur noch gerade aneinander legen, Leim auf den Buchrücken auftragen, pressen und trockenen lassen.

Da der Leim durchsichtig eintrocknet, sieht man die weißen Schlieren (auf der oberen, frisch geklebten Rückseite noch erkennbar) am Ende nicht mehr.


Hier geht es zu meinem Artikel übers Buchbinden allgemein, bei dem einige Schritte, die hier vorausgesetzt werden noch einmal etwas kleinschrittiger erklärt sind.
Außerdem der Buchreparatur-Reihe erster (Buchdeckel) sowie zweite Teil (Buchrücken).

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Buchreparatur [auseinanderfallender Buchblock]

Frohes neues Jahr!
Ich beginne es mit der Weiterführung meiner Buchreparatur-Reihe.

So manches Buch klappt man auf und es niest einem alle Seiten einzeln entgegen.
Ganz leicht zu reparieren, wenn sie nicht geklebt sind (einfach bündeln, Buchbinderleim darauf, wieder einkleben). Anstrengender wird es, wenn eine dicke Schicht alter Leim auf dem Rücken haftet, der brüchig geworden ist.
So oder so ähnlich ging es einem Comic meines kleinen Bruders.

Hier muss man, bevor es ans erneute zusammenkleben geht, zunächst einmal den alten bröseligen Leim abschmirgeln. Man kann das grobe Zeug zunächst mit einem Messer abkratzen und sich dann mit Schmirgelpapier zur Seite selbst durcharbeiten. (Denn: Wenn die Seiten etwas angeraut sind, saugt der neue Kleber sich besser hinein und hält sie nachher gut zusammen.)

Anmerkung: Ein Glück habe ich seit einer Weile endlich Schraubzwingen und kann Buchblöcke so viel einfacher ‚festhalten‘ oder pressen!

Nun müssen die sauberen Seiten gleichmäßig auf den Tisch geklopft werden, in die Schraubstöcke (in meinem Fall noch beschwerendes Papier) gespannt und neu beleimt werden. Danach den Buchblock komplett unter etwas Schwerem pressen (damit das Ende mit dem Leim nicht zu dick eintrocknet und noch in den Buchumschlag passt!)

Anmerkung: Ich verwende übrigens Planatol Buchbinderleim. Normaler Uhu oder ähnliches trocknet fest ein und würde wieder brechen. Buchbinderleim lohnt sich also.

Nachdem mindestens zwei Schichten getrocknet sind, Rücken und äußerster Rand am Rücken entlang mit ganz dünner Leimschicht einpinseln und zurück in den Buchumschlag. Noch ein letztes Mal pressen, fertig.


Hier geht es zu meinem Artikel übers Buchbinden allgemein, bei dem einige Schritte, die hier vorausgesetzt werden noch einmal etwas kleinschrittiger erklärt sind.
Und hier ist der Buchreparatur-Reihe 1. Teil. [Abgerissener Buchdeckel]
Und hier ist der Buchreparatur-Reihe 3. Teil. [Zerplücktes Bilderbuch]

Buchreparatur [abgerissener Buchdeckel]

Heute ein Beispiel, das nicht immer alles so funktioniert, wie wir es uns vorstellen. Aus Fehlern lernt man.

Meine Großmutter hatte mir vor einer Weile ein paar kaputte Bücher mitgegeben. Ein Buch war dabei, das schon einmal repariert wurde aber nun wieder auseinandergefallen war:
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Der Charme der vorherigen Reparatur sollte belassen werden, was außerordentlich schwer ist, wenn es nicht gleich wieder auseinanderfallen soll. Denn ich wollte einen neuen Mantel hinzufügen, der in einem Stück zusammengehört und nicht gleich wieder abreißt.
Was also tun?

Zunächst löste ich die Buchdeckel vorsichtig vom Buchblock (Bild 1). Dann trennte ich die (zum Glück mit schlechtem Kleber) aufgeklebten Papierschichten vom oberen Buchdeckel (Bild 2).

Nun musste der Buchdeckel neu ummantelt werden. Leider hatte ich nur Papier für Kinderbücher, Musikliebhaber oder Pfauenfedern zur Hand. Letzteres schien mir noch am ehesten geeignet. Nächstes Mal bessere Vorbereitung.

Im nächsten Schritt habe ich Vorsatzblätter vorn und hinten eingeklebt und (um den alten Look nicht ganz verschwinden zu lassen) das alte Innenpapier zugeschnitten und innen wieder eingeklebt. Vorne auf dem Buchdeckel in Ovalen Titel und Autor.


Ich hätte das Cover lieber selbst gestaltet, die Ovale gefallen mir nicht und so wirkt alles zu unruhig, aber ich wollte etwas vom Alten beibehalten. Es ist also eine Zwischenlösung aus beiden Vorstellungen. (Was ja meistens nicht recht wird.) Gefällt es ihr nun gar nicht, kann ich es aber jederzeit wieder verändern, das ist ja das schöne daran.


Hier noch einmal mein Artikel zum Buchbinden allgemein, bei dem einige Schritte, die hier vorausgesetzt werden noch einmal etwas kleinschrittiger erklärt sind.
Und hier ist der Buchreparatur-Reihe 2. Teil. [Auseinanderfallender Buchblock]
Und hier ist der Buchreparatur-Reihe 3. Teil. [Zerplücktes Bilderbuch]

Buchbinden

IMG_0426Da ich gerne lernen wollte, wie man kaputte Bücher reparieren kann, habe ich mir in einigen Abendstunden das Buchbinden beigebracht. Nicht professionell, aber es reicht für mich und zum verschenken. Nun kann ich nicht nur meine Bücher reparieren, sondern auch meine Notizbücher selber binden.
Da es im Internet keine Anleitung gab, mit der ich in allen Punkten komplett zufrieden war, habe ich aus verschiedenen Anleitungen eine für mich geeignete gebastelt, die ich an dieser Stelle gerne mit euch teilen mag.

Benötigtes Material

– feste Unterlage
– Papier für die Seiten
– Falzbein – kein Plastik! (wahlweise Messerrücken/abgerundetes Holzlineal)
– Lineal (kratzfest) am besten aus Stahl | Bleistift
– Ahle (wahlweise Sticknadel, deren Öse in einem Korken steckt)
– Nähnadel
– Wachsband (Garn über weiße Kerze ziehen/gewachste Zahnseide)
– Geschenkband/dickeres Papier/stabilen Stoff
– Buchbinderpappe (1,5 mm stark 18,5 X 13,5 cm) (wahlweise Collegeblock-Rückseiten)
– Teppichmesser oder Schneidegerät
– evtl. Buchbinderleinen sonst Papier
– schönes Papier für Einband (auch Stoff, Echt-/Kunstleder, Folie)
– Kleber Planatol | Pinsel
– Vorsatzpapier (dicker als normales Papier)
– Gazestoff (wahlweise unelastische Mullbinde)
– Kapitalband (wahlweise umgesäumter Streifen normalen, dickeren Stoffes)

Evtl.

(- 2 Holzbretter/große alte Hardcover-Bücher
– 2 Schraubzwingen
– Stichvorlage (dünne Pappe in der Länge des Rückens)
– Buchecken | Flachzange
– Dekoration)
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1. Papier falten
Je nach dicke des Papiers immer 4-8 Blätter falten.
Die 4-8 Blätter aufeinanderlegen, falten und das Lineal in die Mitte legen damit die Blätter schön gefaltet werden können. Erst mit der Hand über den Falz streichen, danach mit dem Falzbein auf beiden Seiten zwei bis drei Mal kräftig über die Kante fahren.
Wer es sauberer haben will: Immer ein Blatt zur Zeit falten und später jeweils 4-8 der gefalteten Bögen genau ineinander stecken und innen an der Falz mit dem Falzbein entlang streichen, um die Bögen so nah wie möglich aneinander zu bringen.
Dies wiederholen, bis die gewünschte Seitenanzahl erreicht ist.
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2. Markieren
Die fertig gefalteten Blätter aufeinander legen und im Abstand von 2 – 2,5 cm mit dem Bleistift markieren. Darauf achten, dass eine gerade Anzahl von Löchern vorhanden ist sonst wird es mit dem Nähen später komplizierter.
Die Löcher sollten wie folgt angeordnet sein: | –   – –   – –   – –   – |
Man kann auch ein Stichvorlage anfertigen.
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3. Lochen
Die Blätter auf ein Stück Stoff oder in ein altes aufgeklapptes Hardcoverbuch legen. (Stichvorlage hineinlegen.)
Mit der Ahle die Löcher durch das Papier stechen.
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4. Seiten vernähen
Der Blätterbund sollten in einem Stück vernäht werden, man benötigt also eine langen Faden. (Man kann die Druckbögen als Messhilfe benutzen: dafür so viel Faden, wie alle Bünde lang sind und eine Bundlänge extra als Spielraum.)
Es wird unten mit dem Nähen angefangen.
Unten am ersten Bund den Faden von außen ins erste Loch einführen, im nächsten wieder heraus. Bis oben so verfahren. Den Faden oben in den zweiten Bund einführen usw. bis zum letzten Bund, bei dem der Faden wieder unten ankommen muss. Nach dem letzten Loch eine kleine Schlinge machen. Auf diese Art werden nun alle Bünde zusammengenäht.
Tipp: Nach drei Druckbögen, ein Stück Geschenkband o.ä. einziehen, welches dem Buchblock Stabilität geben wird. (Mit der Nadel die Nähte hochziehen und das Band hindurchschieben.)
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5. Vorsatzblatt einkleben
Zwei Blätter Vorsatzpapier auf Buchgröße falten. Darauf achten, dass die schöne Seite innen ist.
Das Geschenkband ein wenig vom Buchblock wegziehen und auf der ersten Seite an der Falz eine ca. o,5 cm breite Leimschicht auftragen. Das Vorsatzpapier bündig mit der gefalteten Seite auf den Buchblock setzen.
Den Vorgang auf der anderen Seite des Buchblocks wiederholen. Überschüssigen Kleber wegwischen, damit die Seiten nicht zusammenkleben.
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6. Buchrücken festigen
Den Buchbinderleim vorsichtig auf der genähten Seite des Buchblockes auftragen, dabei sicher stellen, dass alle Zwischenräume gefüllt sind. (An den Stellen, an denen das Geschenkband ist nicht kleben.) Für einen besseren Halt wird nun ein dünner Streifen Gazestoff auf den Rücken geklebt. Danach wird das Kapitalband aufgeklebt. Darüber kommt ein Streifen aus Papier.
Zum Abschluss den Buchblock ca. 12 Stunden pressen (mit Schraubzwingen zwischen 2 Holzbrettern oder zwischen Büchern).
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7. Pappe zuschneiden
Als nächstes wird die Pappe zugeschnitten. Der Einband sollte an allen Rändern 3 -4 mm größer sein (nicht kleiner als 150x214mm bei DIN A5 Buch). Dazu braucht man ein Lineal und ein scharfes Messer oder eine Schneidemaschine. Man benötigt 2x den Deckel und einen Streifen (so dick wie das Buch) für die Mitte. Um eine schöne gerade Linie zu bekommen darf man das Messer nicht zu sehr in die Pappe drücken, lieber mehrmals drüber gehen und das Messer sanft am Lineal entlanglaufen lassen.

8. Buch einbinden
Bei einem einfachen Einband mit Leinen benötigt man nun ein Stück Buchbinderleinen das größer ist als alle zugeschnitten Teile. Die beiden Deckel und den Streifen für die Mitte mit Kleber einstreichen, aufkleben und zwischen den Stücken 5mm Abstand einhalten.
Mit dem Falzbein feststreichen, um sicher zu gehen, dass das Papier glatt an der Graupappe klebt.
Wer das Buch mit Papier einbinden will benötigt einen etwas breiteren Streifen für die Mitte und eventuell für die Ecken.
Das überstehende Leinen mit Kleber einstreichen und festkleben.
Damit es sauberer aussieht noch einen Streifen Papier oder Buchbinderleinen in die Mitte kleben.


9. Papier Einband

Papier für den Einband zuschneiden. Buchrücken mit Kleber einstreichen und das Papier aufkleben.
Wenn das Buch einfach nur eingebunden werden soll und nicht mit einer Collage verziert wird, dann sollte man darauf achten, dass Leinen und Papier eine exakte Linie bilden oder von der Pappe zwei Schichten abtragen damit ein schöner Übergang entsteht.


10. Bünde und Deckel zusammenbringen

Die Bünde in den Einband legen. Ein Notizblatt unter das Vorsatzpapier schieben. Die Außenseite des Vorsatzblattes mit Kleber bestreichen und den Einband des Buchs nach unten drücken, um es an der Einbandseite zu befestigen. Das Notizpapier entfernen.
Das Buch öffnen und mit dem Falzbein die Vorsatzblattseite glattstreichen. Diese muss ohne Luftblasen glatt befestigt sein.
Danach den hinteren Einband genauso anbringen und das Buch für mindestens 12 Stunden fest pressen.
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Eventuell
a) Wer mag kann den Buchdeckel noch verzieren.
b) Außerdem kann man Buchecken anbringen: Einfach die Ecken auf das Buch aufstecken und mit einer Flachzange festdrücken.



Wenn man das Buch statt es zu binden kleben möchte, muss man statt Punkt 2-4 folgende Punkte beachten:

1. Den Buchblock (dann in losen Seiten statt in Bünden) auf ein Buch legen, damit sie höher liegen als der Tisch und sich leichter kleben lassen. (Man kann auch einen Holzblock und Schraubzwingen verwenden.) Die Bünde so hinlegen, dass 5mm davon über das darunter liegende Buch hinaus ragen. Damit die Bünde nicht verrutschen, weitere Bücher darauflegen.

2. Eine Schicht Kleber mit einem Pinsel auf den Buchrücken auftragen und darauf achten, dass weder etwas davon auf die Vorder- noch auf die Rückseite gelangt. Nach 15 Minuten eine weitere Schicht Kleber auftragen. Insgesamt benötigt man fünf Schichten.

3. Ein kleineres Stück (kürzer als 1cm) Buchbindeband (flexibles Klebeband aus Gewebe) sowohl oben als auch unten auf den Buchrücken kleben. Es sorgt für zusätzliche Verstärkung und verhindert, dass der Buchrücken von den Bünden gezogen wird.


Bildquellen & Anregungen
Cottage Dreams: Anleitung Buchbinden →  die meisten Bilder sind hierher, da ich leider nie fotogafiere, wenn ich Bücher binde*
Pen & Paper: Bücher binden (Schritt 1-5) →  Leider existiert die Seite nicht mehr. Schade, denn es gab dort eine sehr detaillierte Fotoanleitung, die ich euch so gerne gezeigt hätte.
wikiHow: Ein Buch binden
Thorgrim: Buchbinden → Grafiken von hier
Lost im Papierladen hat eine hübsche Sammlung an Anleitungen

* Ich habe eine Anfrage gestellt, aber noch keine Rückmeldung erhalten. Ich mag daher ausdrücklich betonen: die Bilder sind von der oben angegebenen Seite und auf Wunsch werde ich sie löschen. Vielleicht schaffe ich ja auch selbst noch einmal eigene Bilder zu machen während der Arbeit und kann sie diese hier nach und nach ersetzen.


Am Ende mag ich euch noch „Das handgemachte Buch“ vom WDR an die Hand geben.